Ihr habt es gut!

„Ihr habt es gut, ihr habt ja einen Garten.“ Wie oft habe ich das in den letzten Wochen gehört. Und es stimmt: Wer ein paar Quadratmeter vor oder hinter dem Haus sein Eigen nennt, kommt besser mit den Ausgangsbeschränkungen zurecht.

Wenn jetzt allenthalben über das „Leben nach der Krise“ nachgedacht und geschrieben wird, dann möchte ich eine Idee nicht zurückhalten: Mehr Menschen brauchen einen Garten! Ja, das klingt nach 19. Jahrhundert. Ja, das erinnert an den hochproblematischen Herrn Schreber. Ja, das lässt im schlimmsten Fall an die Ideologie „vom Leben auf eigener Scholle“ denken.

Man kann die Idee aber auch als Pilotaktion für gutes Leben („buen vivir“) im 21. Jahrhundert diskutieren. Wie viele Hektar in Großstadtnähe sind heute noch mit Mais für die nicht länger zu duldende Massentierhaltung belegt? Wie viel Land wartet auf seine Verwertung als Standort für eine Logistikhalle? Warum kann daraus nicht eine neue Gartenkolonie werden? Freilich ohne die autoritär-kleinlichen Regeln aus Schrebers-, Kaisers- oder gar Führers-Zeiten. Aber entschieden pestizidfrei, kinderfreundlich und als Hotspot der Artenvielfalt! Ja, und so ein umgewandelter Hektar ehemaliger Intensivlandwirtschaft bringt dem verpachtenden Landwirt auch eine ordentliche Rendite. Weniger Mais, mehr Gärten - „buen vivir“ nach dem Virus! 

Bernhard Suttner


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